[TYPO3-german] Web 2.0
Michael Scharkow
mscharkow at gmx.net
Fri Dec 30 17:37:18 CET 2005
Michael Perkhofer wrote:
> Jetzt, da bereits in der aktuellen c't ein Artikel (Web 2.0: Die stille
> Revolution im Netz, S. 174) über dieses Thema veröffentlicht wurde,
> dachte ich mal Web 2.0 hier anzuschneiden.
Also, das schreit ja geradezu nach einem Rant ;)
> Für viele dürfte es nur ein
> Buzzword sein andere springen auf den Hype auf.
Also, Web 2.0 *ist* ein Marketing-Buzzword, und in dieser Hinsicht
sozusagen der Nachfolger von Enterprise Content Management. Man kann
versuchen, ex post in diesen Begriff technische (agile
Programmiersprachen, AJAX), inhaltliche (tagging, wikis) oder
pseudo-soziale (syndication, Kommentare) Aspekte hinein zu
interpretieren. Das halte ich allerdings für ziemlich schwachsinnig,
weil es einen Paradigmenwechsel postuliert, der nie stattgefunden hat.
Wikis sind ebenso ein alter Hut wie Blogs und News-Portale.
> Ich finde, dass Typo3
> sehr wohl hier eine Rolle spielen könnte. Einige der Technologien
> beherrscht Typo3 (im Vergleich zu beispielsweise Drupal) schon lange,
> z.B. tt_news als RSS zu exportieren, es gibt eine Blog- und Wiki
> Extension, etc.
Ich finde gerade nicht, dass TYPO3 sich in Sachen two-oh-Kompatibilität
sehr hervortut. Weder das Blogsystem noch das Wiki oder der RSS-Export
sind besonders mächtig oder leicht bedienbar (Doofie-Kompatibiltät ist
ja offenbar eins der zentralen Merkmale von Basecamp und co.) Nicht dass
ich das für problematisch halte, aber trendy ist was anderes.
> Oder wird sich auf der anderen Seite dieser Hype wieder
> verflüchtigen und eher kurzlebig sein - sprich - Typo3 gabs lang vor
> Web2.0 und wird es hoffentlich noch lange nach Web2.0 geben?
Es wird sicher demnächst eine andere Sau durchs Dorf getrieben, dann
bleiben einige gute Ideen und Technologien übrig, was ja auch gut ist.
Mittlerweile ist Web 2.0 offenbar schon breitgetreten, dass man sich
guten Gewissens darüber lustig machen kann
http://www.gadgetmania.de/comments/web20spotde_web_20_fr_dummies/
oder
http://andrewwooldridge.com/myapps/webtwopointoh.html
> Für alle die noch nicht wissen, was das alles sein soll: Der Begriff
> wurde von Tim O'Reilly 'erfunden' [1] und seit dem hat sich ein grosser
> Wirbel um das Thema gebildet. Das CMS, das als besonders Web2.0 tauglich
> betrachtet wird, iss Drupal [2] und ein Framework hat sich als Vorreiter
> der Web20 Technologie erwiesen, Ruby on Rails [3].
Mir ist nicht klar, warum Drupal jetzt besonders auffällig wäre. Es
sieht aus wie ein x-beliebiges *Nuke oder Plone, etc. Die Funktionalität
ist genau auf den Fall eines Community-Portals zugeschnitten und deshalb
mit TYPO3 nicht vergleichbar.
Ruby on Rails ist für mich nicht WEB 2.0-Kram, sondern ein
außerordentlich elegantes und hochgradig pragmatisches Framework für
Web-Applikationen. Also im Prinzip die agile
No-Enterprise-Bullshit-Variante von Zope oder dem JAVA-Krams, bei dem
die Spezifikation länger ist als der Quellcode (wobei bei JAVA ja beides
gegen endlos tendiert).
Der Clou an Rails ist doch die Tatsache, dass hier mit minimalem Code
und Aufwand ca. 95 Prozent aller Web-Applikationen realisiert werden
können, und dass alle wirklich häufig gebrauchten Komponenten einfach
funktionieren.
TYPO3 ist aber mit beiden nicht zu vergleichen, weil es a) keine echte
Portallösung ist (und auch nicht sein soll, sonst bräuchten wir kein BE)
und b) erst recht kein Framework für Web-Applikationen, bei denen es
primär um Nutzerinteraktion und nicht Content-Präsentation geht. Auf der
Ebene der Softwarearchitektur sehe ich da kaum Berührungspunkte,
allerdings kann man viele andere Sachen von Rails lernen, vor allem aus
Entwicklerperspektive.
Cheers,
Michael
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